Sakralbauten – neue Nutzung mit altem Charme

Seit Jahren ist die Tendenz deutlich: Die Zahl der Kirchenmitglieder in den römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Körperschaften gehen zurück, während die Gruppe ohne Konfession am stärksten wächst. Damit verbunden bleiben viele Kirchenbauten ungenutzt und der teure Unterhalt kann finanziell nicht mehr gewährleistet werden. Aus diesem Grund werden Kirchen vermehrt umgenutzt und in einen weiterhin öffentlichen Raum umgebaut – jedoch sind die Möglichkeiten begrenzt, da Kirchen das Selbstverständnis eines bedeutenden Teils unserer Gesellschaft viel stärker symbolisieren als andere Gebäude und daher unter einem Schutzstatus stehen.

In den vergangenen 25 Jahren, so die Datenbank der Theologischen Fakultät der Universität Bern, wurden über 200 religiöse Gebäude in der Schweiz umgenutzt. Dabei handelt es sich nicht nur um Kirchen, sondern auch um Kapellen und Klöster. Dabei sind die Umnutzungsmöglichkeiten vielfältig: von Mischnutzungen, Vermietung und Verkauf bis zur Abgabe des Baurechts, Abriss oder Rückbau. Letztere zwei Möglichkeiten werden vor allem bei kleineren Kapellen angewendet, dessen religiöse Bedeutung von aussen kaum erkennbar sind. Landeskirchen, speziell der evangelisch-reformierten, römisch-katholischen und christkatholischen Kirchen, stehen jedoch unter besonderem Schutz und bleiben aufgrund dessen in ihrer Erscheinung erhalten, was eine Umnutzung anspruchsvoll macht. Oftmals sind sie stadt- oder dorfbildprägend, haben eine besondere Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und stehen deswegen unter Denkmalschutz. Bauliche Hürden wie Zonenänderungen oder die Einhaltung der Auflagen des Denkmalschutzes stellen eher sekundäre Schwierigkeiten dar. Die grössten Schwierigkeiten sind Fragen des Dialogs mit den ursprünglichen und künftigen Nutzern und der Bevölkerung sowie Fragen der Identität, die Kirchen stiften – denn es gibt kaum zweckgebundenere Gebäude als Kirchen.

 

Landeskirchen mit besonderer städtebaulicher Relevanz

Durch die Sichtbarkeit im Raum und die historische Bedeutung, die von solchen Sakralbauten ausgehen, müssen Kirchen während der Umnutzung möglichst der ursprünglichen Nutzung entsprechen. Aufgrund dessen empfehlen Kirchenbunde und weitere Parteien, einer Mischnutzung nachzugehen und von einem Verkauf der Bauten oder eine vollkommenden Fremdnutzung abzusehen, damit die Werte und der Einfluss der Kirche bestehen bleiben. Die Möglichkeit zum Abriss ist durch den weit verbreiteten Schutzstatus meist nicht gegeben, jedoch gibt es auch Beispiele an Kirchen, die aufgrund ihrer kunsthistorischen eher kleinen Bedeutung abgerissen werden durften. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist der Erhalt kirchlicher Bauwerke, besonders der Landeskirchen, aufgrund der städtebauliche Relevanz sowie die Bedeutung der Werte, ebenso wichtig, und mindestens ebenso anspruchsvoll.

 

Mischnutzungen als zukunftsweisendes Modell

Erweiterte Nutzungen oder Mischnutzungen, in wessen die Kirche im Besitz der Kirchengemeinden bleiben und gleichzeitig von anderen mitgenutzt werden können, sind in der Schweiz noch selten. Genau diese Nutzung jedoch könnte die finanzielle Lösung sein, um Kirchen weiterhin finanziell tragen zu können und die Räume wieder mit Leben zu füllen. Als zukunftsweisendes Beispiel hierbei ist die eindrückliche Elisabethenkirche in Basel. Gottesdienste finden nach wie vor statt, gleichzeitig wurde auch ein Ort für Diskussionsrunden, Chorkonzerte und gar Discos geschaffen. So bleibt das Gebäude weiterhin in der Hand des Kirchenverbandes, die Kirche bleibt dem Ort erhalten, gleichzeitig werden die Kosten jedoch auf mehreren Schultern verteilt. Dieses Modell hat schon einige, einfallsreiche Ideen in der Schweiz hervorgebracht. In Richterswil wurde in der Kirche ein Kino mit Bistro errichtet, in Bern ein Quartiertreff. Deutschland zeigt, dass auch Umnutzungen zu Jugendherbergen, CoWorking Space und gar Restaurants möglich sind, in den Niederlanden wurde in Maastricht ein Sakralbau gar in ein Luxushotel umgewandelt. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, solange die bedeutende Architektur bestehen und die gesellschaftliche oder öffentliche Nutzung garantiert ist.

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Autorin: Sabrina Tanner
Luzerner Zeitung „DATENBANK: Kneipe statt Kapelle: Immer mehr Luzerner Kirchen werden umgenutzt“
Magazin UniAktuell (Universität Bern): „Umnutzen, um zu bewahren“
Baublatt: „Umnutzung von Kirchen: Zweites Leben für Gotteshäuser“
Bildquelle: Sunil Carter auf Unsplash
Arkadium AG

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